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After Dark · Land & Leute

Wie deutsch ist der deutsche Durchschnitt?

Gibt es eine Gemeinde, die in ihren Zahlen aussieht wie Deutschland im Mittel? 17 Kennzahlen, mehr als 10.000 Gemeinden und ein Fotofinish.

INKAR, Zensus 2022, Bundestagswahl 2025 · Wie wir gerechnet haben

Der Durchschnittsdeutsche ist 44,3 Jahre alt, lebt in einem Haushalt mit 2,07 Personen, zahlt 7,00 € Kaltmiete je Quadratmeter und hat 2025 zu 28,3% die Union gewählt. Wir haben jede der 10.586 Gemeinden mit ihm verglichen, in 17 Kennzahlen: Menschen, Wohnen, Arbeit, Dichte und die Wahl.

Am nächsten kommt Gummersbach (Oberbergischer Kreis). Bei 13 der 17 Kennzahlen liegt es weniger als eine halbe Standardabweichung vom Mittel entfernt. Dicht dahinter folgt Troisdorf.

Gemeinde gegen Durchschnitt

Abstand vom deutschen Mittel je Einwohner, in Standardabweichungen; das helle Band: weniger als eine halbe

Stand INKAR 2023, Zensus 2022, Bundestagswahl 2025 · Quelle: INKAR, Zensus 2022, Wahlbezirke BTW 2025 · Definition & Methode

Überall Mitte gibt es nicht

Keine Gemeinde liegt bei allen 17 Kennzahlen nah am Mittel. Vier Gemeinden schaffen 16 von 17: Troisdorf, Lippstadt, Heiligenhaus und Soest. Die meisten Gemeinden schaffen 4 von 17.

Wie oft eine Gemeinde nah am Mittel liegt

Gemeinden nach der Zahl ihrer Kennzahlen, die weniger als eine halbe Standardabweichung vom Mittel abweichen

Stand INKAR 2023, Zensus 2022, Bundestagswahl 2025 · Quelle: INKAR, Zensus 2022, Wahlbezirke BTW 2025 · Definition & Methode

Es kommt darauf an, wie man zählt

Wir haben die Kennzahlen 2.000-mal zufällig gewichtet. Am häufigsten gewinnt Troisdorf (15,3%), Gummersbach folgt mit 10,8%. Zählt jede Kennzahl einfach gleich, gewinnt Soest. Von den ersten zehn liegen 7 in Nordrhein-Westfalen.

Wer bei zufälliger Gewichtung gewinnt

Anteil von 2.000 zufälligen Gewichtungen der Kennzahlen, in denen die Gemeinde die durchschnittlichste ist

Stand INKAR 2023, Zensus 2022, Bundestagswahl 2025 · Quelle: INKAR, Zensus 2022, Wahlbezirke BTW 2025 · Definition & Methode

Die Durchschnittsgemeinde ist ein Dorf

Der Durchschnitt der Gemeinden ist ein anderer als der der Menschen. Die mittlere Gemeinde zählt jeden Ort gleich, das Dorf so viel wie Berlin. Dort wohnen 67,0% im Eigentum statt 45,4%, die AfD kommt auf 25,1% statt 20,6%, der Ausländeranteil liegt bei 6,9% statt 13,2%.

Am wenigsten durchschnittlich

Am weitesten vom Mittel liegen winzige Sonderfälle: Osterheide (315 Einwohner), Seeth (1.908 Einwohner) und Steinreich (425 Einwohner). Unter den Städten ab 20.000 Einwohnern ist es Schleswig (AfD niedrig, Arbeitslosigkeit hoch), Garmisch-Partenkirchen (Union hoch, Dichte niedrig) und Schwedt/Oder (Eigentum niedrig, Dichte niedrig).

Die am wenigsten durchschnittlichen Städte

Gemeinden ab 20.000 Einwohnern mit dem größten Abstand vom Mittel (Mahalanobis)

Stand INKAR 2023, Zensus 2022, Bundestagswahl 2025 · Quelle: INKAR, Zensus 2022, Wahlbezirke BTW 2025 · Definition & Methode

Fast. Der Durchschnittsdeutsche wohnt in Gummersbach, oder in Troisdorf, je nachdem, wie man zählt.

Abstand jeder Gemeinde vom deutschen Mittel je Einwohner in 17 Kennzahlen (Mahalanobis-Abstand); 10.586 Gemeinden.

Wie wir gerechnet haben

Jede Kennzahl ist standardisiert: Abstand vom deutschen Mittel in Standardabweichungen, beide nach Einwohnern gewichtet. Die Einwohnerdichte geht logarithmiert ein. Der Abstand einer Gemeinde ist der Mahalanobis-Abstand mit der nach Einwohnern gewichteten Kovarianz: Kennzahlen, die fast dasselbe messen, zählen so zusammen etwa einmal. Paare mit einer Korrelation über 0,85 sind gar nicht doppelt drin: Anteil ab 65 mit Durchschnittsalter (r = 0,97) und Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern mit Eigentümerquote (r = 0,97).

Die Tests: der einfache Abstand (jede Kennzahl gleich, korreliert oder nicht), die fünf Themen gleich gewichtet, jede Kennzahl einmal weggelassen und 2.000 zufällige Gewichtungen (Dirichlet) im dekorrelierten Raum. Quellen: INKAR 2025 (BBSR, Gemeinden, 2023), Zensus 2022 (Miete, Eigentum, Ausländer), Wahlbezirksstatistik zur Bundestagswahl 2025. Die Berechnung: data-pipeline/make_story_mitte.py.

Was die Daten nicht zeigen

  • Die Wahl der Kennzahlen entscheidet mit. Lässt man je eine der 17 weg, gewinnt Troisdorf in 8 Fällen, Gummersbach in 5, Bad Salzuflen in 1, Gelnhausen in 1, Lippstadt in 1 und Meckesheim in 1. Andere Kennzahlen, etwa Einkommen statt Steuer oder eine andere Wahl, ergäben einen anderen Sieger.
  • Kleine Gemeinden schwanken. In einem Dorf mit 300 Einwohnern ändern wenige Menschen jede Quote. 392 Gemeinden fehlen, weil eine Kennzahl fehlt, meist kleine, deren Wahlbezirk mit dem Nachbarort zusammen ausgezählt wird.
  • Briefwahl. Wo die Briefwahl für ein Amt oder eine Verbandsgemeinde gemeinsam ausgezählt wird (etwa 7 % der Briefwähler), ist sie auf die Gemeinden nach ihren Wahlberechtigten verteilt, mit den Anteilen der gemeinsamen Auszählung.
  • Verschiedene Jahre. INKAR 2023, Zensus 2022, Wahl 2025. Ein Ort ist kein Mensch: Eine durchschnittliche Gemeinde kann voller Menschen sein, die alle nicht durchschnittlich sind.