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Einblicke · Stimmung & Gesellschaft

Wie fühlt sich Europa?

Die allermeisten Europäer sind mit ihrem Leben zufrieden – über ihr Land urteilen sie weit düsterer. Und nirgends ist das Urteil über die eigene Wirtschaft seit 2017 so tief gefallen wie in Deutschland.

Befragungen von 2004 bis 2026 · Wie wir gerechnet haben

Mein Leben gut, mein Land nicht

Im Frühjahr 2026 sagten 87% der Befragten in der EU, sie seien mit ihrem Leben zufrieden. In 24 der 27 Länder waren es mindestens 80%, am wenigsten in Griechenland (63%), Rumänien (64%) und Bulgarien (67%). In Deutschland: 89%.

Über das eigene Land urteilen dieselben Menschen ganz anders. Dass es in ihrem Leben in die richtige Richtung geht, meinen 73%; dass es ihr Land tut, nur 31%. Diese Lücke gibt es in allen 27 Ländern. In Deutschland sind es 73% gegen 26%, in Ostdeutschland sagen nur 14%, das Land gehe in die richtige Richtung. Ähnlich wenige sind es in den beiden EU-Ländern mit den niedrigsten Werten, Griechenland (15%) und Frankreich (16%).

Beim Geld zeigt sich dasselbe Muster. Die Finanzen des eigenen Haushalts nennen 75% gut, die Wirtschaft des eigenen Landes 38%. Besser oder gleich gut wie die eigenen Finanzen wird die Wirtschaft nur in Dänemark beurteilt. In Deutschland: 80% gegen 32%; größer ist der Abstand nur in Finnland, Frankreich und Lettland.

Das eigene Leben und das eigene Land

Anteil der Befragten, nach denen die Dinge in die richtige Richtung gehen: im eigenen Leben und im eigenen Land

Stand Frühjahr 2026 (Eurobarometer 105) · Quelle: Eurobarometer · Definition & Methode

Wie die Deutschen ihre Wirtschaft sehen, seit 2004

Im Herbst 2004 hielten 19% der Deutschen die Lage der Wirtschaft ihres Landes für gut, Platz 17 von 24 Ländern. Im Herbst 2017 waren es 91%, gleichauf mit den Niederlanden an der Spitze der EU. Seither ist der Wert auf 32% gefallen, Platz 18 von 27. Um 59 Punkte ist das Urteil seit Herbst 2017 gefallen, so tief wie in keinem anderen EU-Land; es folgen Finnland (49 Punkte) und Estland (27 Punkte).

Die eigenen Finanzen sahen die Deutschen in derselben Zeit kaum anders: In allen 41 Befragungen seit Herbst 2008 nannten sie zwischen 72% und 85% gut.

Zum Vergleich die amtlichen Zahlen für Deutschland: Die Arbeitslosenquote lag 2017 bei 3,5% und 2025 bei 3,8%. Die Wirtschaftsleistung veränderte sich preisbereinigt 2017 um +2,9%, 2023 um −1,0%, 2024 um 0,0% und 2025 um +0,2% (2023, 2024 und 2025 vorläufig).

Das Urteil über die eigene Wirtschaft

Anteil der Befragten, die die Lage der Wirtschaft ihres Landes gut nennen, jede Befragung seit Herbst 2004

Stand Herbst 2004 – Frühjahr 2026 · Quelle: Eurobarometer · Definition & Methode

Was Europa Sorgen macht

Gefragt nach den zwei wichtigsten Problemen ihres Landes, nennen die Befragten in 20 der 27 Länder die Preise und Lebenshaltungskosten am häufigsten, in der EU insgesamt 36% und in Deutschland 36%. Anders ist es in Irland, Luxemburg, den Niederlanden und Spanien (Wohnen), Dänemark (Internationale Lage), Finnland (Arbeitslosigkeit) und Schweden (Bedrohung der Demokratie).

In Dänemark, Polen, Portugal, Schweden und Zypern liegen die beiden meistgenannten Probleme so nah beieinander, dass die Befragung keine Reihenfolge belegt.

Die wichtigsten Probleme des Landes

Anteil der Befragten, die „Preise und Lebenshaltungskosten“ unter den zwei wichtigsten Problemen ihres Landes nennen

Stand Frühjahr 2026 (Eurobarometer 105) · Quelle: Eurobarometer · Definition & Methode

Drei Sorgen in zwei Jahrzehnten

In Deutschland haben sich die großen Sorgen abgelöst. Im Herbst 2004 nannten 75% die Arbeitslosigkeit, heute 4%. Im Herbst 2015 nannten 76% die Zuwanderung, mehr als je ein anderes Problem seit 2004. Im Sommer 2022 waren es bei den Preisen 58%. Heute stehen die Preise mit 36% vorn; an zweiter Stelle: Wirtschaftslage (20%).

Sorgen, die sich ablösen

Anteil der Befragten in Deutschland, die ein Problem unter den zwei wichtigsten des Landes nennen, jede Befragung seit Herbst 2004

Stand Herbst 2004 – Frühjahr 2026 · Quelle: Eurobarometer · Definition & Methode

Reicher heißt zufriedener – meistens

Wo der Konsum je Einwohner höher ist, sind die Menschen im Schnitt zufriedener. Über die 27 Länder liegt die Rangkorrelation bei 0,38 für die mittlere Lebenszufriedenheit aus EU-SILC und bei 0,68 für den Anteil der „sehr Zufriedenen“ im Eurobarometer.

Deutschland passt nicht in dieses Bild. Beim Konsum je Einwohner liegt es auf Platz 3 (118, EU = 100), bei der Lebenszufriedenheit auf Platz 24 (7,0 von 10, EU 7,2). Gemessen am Konsum liegt die Zufriedenheit nur in Bulgarien weiter unter der Linie. Im Eurobarometer ist es ähnlich: Beim Anteil der sehr Zufriedenen liegen nur die Werte in Italien weiter unter der Linie.

Die beiden Befragungen messen nicht dasselbe. Rumänien hat in EU-SILC die höchste Lebenszufriedenheit (7,8, gleichauf mit Finnland), im Eurobarometer den zweitniedrigsten Anteil Zufriedener (64%). Deshalb vergleicht diese Geschichte die Länder in jeder Befragung nur untereinander.

Wohlstand und Zufriedenheit

Konsum je Einwohner in Kaufkraftstandards (EU = 100, 2024) und die mittlere Lebenszufriedenheit von 0 bis 10 (EU-SILC, 2025). Jeder Punkt ein Land · Rangkorrelation ρ = 0,38

Stand Konsum 2024, Lebenszufriedenheit 2025, Eurobarometer Frühjahr 2026 · Quelle: Eurostat, Eurobarometer · Definition & Methode

Und die Kinder?

Werden es die Kinder von heute einmal leichter haben als die eigene Generation? Das glauben in Deutschland 7%, in der EU 15%. Weniger sind es nur in Tschechien (6%), gleich viele in Belgien und Frankreich. Am zuversichtlichsten sind die Befragten in Litauen (39%), Lettland (35%) und Portugal (30%).

Die meisten Menschen in Deutschland sind mit ihrem Leben zufrieden. Düster ist ihr Blick auf das Land: seine Richtung, seine Wirtschaft, die Zukunft der Kinder.

Was die Daten nicht zeigen

  • Befragungen, keine Messungen. Je Land wurden rund 1.000 Menschen befragt, in Deutschland 1.515, in Luxemburg 506, Malta 502 und Zypern 506. Bei 1.000 Befragten liegt die Unsicherheit eines Anteils bei bis zu ±3 Punkten, für Ostdeutschland (295 Befragte) bei bis zu ±6. Unterschiede von wenigen Punkten zwischen zwei Ländern sind deshalb nicht sicher.
  • Ganze Prozente. Die Anteile sind gerundet, wie die Kommission sie veröffentlicht. Nur die Reihenfolge der wichtigsten Probleme ist aus den gewichteten Fallzahlen auf eine Stelle genau berechnet.
  • Zwei Befragungen, zwei Maßstäbe. Das Eurobarometer fragt nach vier Stufen von „sehr zufrieden“ bis „überhaupt nicht zufrieden“, EU-SILC nach einer Zahl von 0 bis 10. Ihre Werte lassen sich nicht ineinander umrechnen. EU-SILC 2025 kennzeichnet die Werte für Frankreich, Polen, Portugal und Ungarn als wenig zuverlässig, die Werte für Litauen als vorläufig und die Werte für Luxemburg mit einem Bruch der Reihe.
  • Wohlstand heißt hier Konsum. Gemessen ist der tatsächliche Individualverbrauch je Einwohner in Kaufkraftstandards, 2024 (vorläufig für Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Kroatien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Spanien, Ungarn und Zypern). Wie Einkommen und Vermögen verteilt sind, zeigt er nicht.
  • Länder, nicht Menschen. Die Zusammenhänge vergleichen 27 Länder. Sie sagen nichts darüber, warum Menschen zufrieden sind, und nichts über einzelne Menschen.
  • Zeitreihen mit Brüchen. Im Sommer 2020 wurde wegen der Pandemie in einigen Ländern nicht persönlich befragt; Sprünge in dieser Welle können auch daher kommen. Der EU-Wert früherer Wellen ist der veröffentlichte; welche Länder er damals umfasste, gibt die Datei nicht an. Bei den wichtigsten Problemen fehlen drei Wellen von 2005 und 2006, deren Zahlen nicht zur Frage passen. Antworten, die später auf die Liste kamen, zählen ab ihrer ersten Welle: Staatsschulden seit Frühjahr 2012; Internationale Lage seit Sommer 2022; Bedrohung der Demokratie, Sicherheit und Verteidigung und Russlands Krieg gegen die Ukraine seit Frühjahr 2025; Konflikt im Nahen Osten seit Herbst 2025.
  • Was „wichtigstes Problem“ heißt. Die Befragten wählen bis zu zwei Antworten aus einer Liste. Der Anteil sagt, wie viele ein Problem nennen, nicht wie schwer es wiegt.

Wie wir gerechnet haben

Die Befragung: Standard-Eurobarometer 105 der Europäischen Kommission, Befragung vom 12. März bis 5. April 2026, 26.415 Befragte in den 27 EU-Ländern. Alle Anteile sind die gewichteten Werte der Kommission (Band A); Deutschland ist dort auch nach West und Ost geteilt. Der EU-Wert ist nach der Bevölkerung der Länder gewichtet; das prüft die Berechnung nach. Die Zeitreihen seit 2004 stammen aus Band D, die Welle von 2026 aus Band A.

Die Fragen, wörtlich übersetzt: „Sind Sie insgesamt mit dem Leben, das Sie führen, sehr zufrieden, ziemlich zufrieden, nicht sehr zufrieden oder überhaupt nicht zufrieden?“ (zufrieden: die ersten beiden). „Gehen die Dinge derzeit im Allgemeinen in die richtige oder in die falsche Richtung, in (unserem Land) / in Ihrem Leben?“ „Wie beurteilen Sie die derzeitige Lage der (nationalen) Wirtschaft / der Finanzen Ihres Haushalts?“ (gut: sehr oder ziemlich gut). „Was sind Ihrer Meinung nach die zwei wichtigsten Probleme, vor denen (unser Land) derzeit steht?“ „Wird das Leben derer, die heute Kinder sind, leichter, schwieriger oder etwa gleich sein wie das Ihrer Generation?“

Zwei Probleme gelten als gleichauf, wenn ihr Abstand kleiner ist als das Doppelte seines Standardfehlers (aus den gewichteten Fallzahlen, beide Anteile von denselben Befragten). Rangkorrelation: Spearman über die 27 Länder; die Linie in der Punktwolke: kleinste Quadrate. Konsum je Einwohner: tatsächlicher Individualverbrauch in Kaufkraftstandards, EU = 100 (Eurostat prc_ppp_ind); Lebenszufriedenheit: Mittelwert von 0 bis 10, Menschen ab 16 Jahren (Eurostat ilc_pw01, EU-SILC).

Alle Quellen mit Lizenz und Link: Eurobarometer, Eurostat. Die Berechnung: data-pipeline/make_story_europa.py.