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Einblicke · Wahlen

Was haben die Hochburgen der Parteien gemeinsam?

Wo eine Partei besonders stark ist, sieht die Gegend oft ähnlich aus. Aber nicht immer so, wie man denkt: Die stärksten Wahlkreise der AfD im Westen haben eher wenige Arbeitslose.

Bundestagswahl 2025 und Strukturdaten · Wie wir gerechnet haben

Zwei Trennlinien

Als Hochburgen gelten hier für jede Partei die 30 Wahlkreise, in denen sie 2025 den höchsten Zweitstimmenanteil hatte. Die erste Trennlinie ist die zwischen Ost und West: Im Osten liegen alle 30 Hochburgen der AfD und alle 30 des BSW, aber keine der Union und keine der SPD. Bei den Grünen sind es 6, alle in Berlin; bei der Linken 19, davon 9 in Berlin und die übrigen in größeren Städten wie Leipzig, Jena und Halle.

Die zweite ist die zwischen Stadt und Land, Hochschule und Werkbank: Die Hochburgen von Grünen, Linken und FDP sind dicht besiedelt und haben viele Beschäftigte mit Hochschulabschluss, die von Union und AfD sind ländlich und industriell geprägt.

Wie die Hochburgen aussehen

Je Partei ihre 30 stärksten Wahlkreise: wo ihr Median unter allen 299 liegt (50: in der Mitte). In Klammern: davon im Osten.

Stand CDU/CSU (BTW 2025) 23.02.2025, Verfügbares Einkommen 2021, Arbeitslosenquote November 2024, Kinderarmut 2022, Akademikeranteil 2023, Produzierendes Gewerbe 30.06.2023, Einwohner 75+ 31.12.2023, Entwicklung 10 Jahre 2013–2023, Bevölkerungsdichte 31.12.2023 · Quelle: Bundestagswahl 2025, Strukturdaten, INKAR, Bundesagentur für Arbeit · Definition & Methode

Was mit den Anteilen zusammengeht

Über alle 299 Wahlkreise gerechnet hängt der Anteil der Grünen am engsten mit dem Anteil der Akademiker zusammen (+0,77), der der FDP mit dem Einkommen (+0,69). Die Union ist dort stark, wo es wenige Arbeitslose gibt (−0,73), die Linke dort, wo viele Kinder von Grundsicherung leben (+0,72). Die SPD ist im Westen dort stark, wo die Arbeitslosigkeit hoch ist (+0,77): im Ruhrgebiet und in Ostfriesland.

Wie stark der Gegensatz zwischen Ost und West diese Zahlen färbt, zeigt der Vergleich mit dem Westen allein: Manche Zusammenhänge werden schwächer, manche drehen sich um.

Was mit den Anteilen zusammengeht – und was davon im Westen bleibt

Rangkorrelation zwischen Zweitstimmenanteil und Merkmal über die Wahlkreise. Blau: gleichgerichtet, orange: gegenläufig (helles Design: umgekehrt).

Stand CDU/CSU (BTW 2025) 23.02.2025, Verfügbares Einkommen 2021, Arbeitslosenquote November 2024, Kinderarmut 2022, Akademikeranteil 2023, Produzierendes Gewerbe 30.06.2023, Einwohner 75+ 31.12.2023, Entwicklung 10 Jahre 2013–2023, Bevölkerungsdichte 31.12.2023 · Quelle: Bundestagswahl 2025, Strukturdaten, INKAR, Bundesagentur für Arbeit · Definition & Methode

Die AfD: weniger Akademiker, mehr Industrie

Der beständigste Zusammenhang der AfD ist der mit dem Anteil der Beschäftigten mit Hochschulabschluss: Je weniger, desto höher ihr Anteil, im Westen (−0,67) wie im Osten (−0,79). Ebenso beständig geht er mit dem Anteil der Beschäftigten in der Industrie einher (Westen +0,68, Osten +0,87). Im Osten ist die AfD zudem dort stärker, wo die Bevölkerung älter ist (+0,85) und geschrumpft ist (−0,82).

Je weniger Akademiker, desto stärker die AfD – im Westen wie im Osten

Jeder Punkt ein Wahlkreis · Rangkorrelation Westen −0,67, Osten −0,79

Stand Beschäftigte mit Hochschulabschluss 2023, AfD 23.02.2025 · Quelle: INKAR, Bundestagswahl 2025 · Definition & Methode · Zusammenhänge →

Nicht die Arbeitslosigkeit

Ein verbreitetes Bild verbindet die AfD mit Arbeitslosigkeit. In den Wahlkreisen findet es sich nicht: Im Westen ist die AfD dort eher schwächer, wo mehr Menschen arbeitslos sind (−0,29), im Osten ebenso (−0,55). Ihre 30 stärksten Wahlkreise im Westen, angeführt von Deggendorf, Schwandorf und Straubing, haben im Median weniger Arbeitslose als 73% der 239 Wahlkreise im Westen. (Von ihren 30 Hochburgen bundesweit liegen alle 30 im Osten.)

Mit der Arbeitslosigkeit steigt der AfD-Anteil nicht

Jeder Punkt ein Wahlkreis · Rangkorrelation Westen −0,29, Osten −0,55

Stand Arbeitslosenquote November 2024, AfD 23.02.2025 · Quelle: Strukturdaten, Bundesagentur für Arbeit, Bundestagswahl 2025 · Definition & Methode · Zusammenhänge →

Was die Daten nicht zeigen

  • Gebiete, nicht Wähler. Alle Zahlen beschreiben Wahlkreise. Dass die AfD dort stark ist, wo wenige Akademiker arbeiten, heißt nicht, dass Akademiker sie seltener wählen – dafür bräuchte es Befragungen, keine Gebietsdaten.
  • Zusammenhang ist nicht Ursache. Zwei Werte, die zusammengehen, können beide von etwas Drittem abhängen, etwa davon, ob eine Gegend im Osten oder Westen liegt oder wie dicht sie besiedelt ist.
  • Eine Wahl. Die Anteile sind die Zweitstimmen der Bundestagswahl vom 23. Februar 2025; die Strukturdaten stammen aus den Jahren davor (Einkommen 2021, Arbeitslosigkeit November 2024, Akademiker 2023).
  • Hochburgen sind eine Wahl. 30 Wahlkreise je Partei ist eine Festlegung; mit 20 oder 50 ändern sich die Profile im Einzelnen, ihr Bild nicht.
  • Werte je Kreis. Der Anteil der Akademiker ist nur je Kreis bekannt: Wahlkreise in einem Kreis teilen sich einen Wert.

Wie wir gerechnet haben

Die Zweitstimmenanteile je Wahlkreis stammen von der Bundeswahlleiterin, die Strukturdaten aus ihren Strukturdaten und aus INKAR. Das Profil einer Partei: der Median ihrer 30 Hochburgen, eingeordnet unter alle 299 Wahlkreise (0 der niedrigste, 100 der höchste Wert). Rangkorrelation: Spearman, für ganz Deutschland, den Westen (239 Wahlkreise) und den Osten mit Berlin (60). Quellen: Bundestagswahl 2025, Strukturdaten, INKAR.