After Dark · Staat & Verwaltung
Wie oft sagt Deutschland „Nein“?
Führerschein, Asyl, Karlsruhe, Finanzamt: sieben Verfahren, in denen der Staat Ja oder Nein sagt, und wie oft es Nein ist.
Der Staat entscheidet täglich, ob jemand fahren darf, forschen, bleiben oder weniger Steuern zahlen. Wir haben sieben solcher Verfahren gesammelt, für die eine amtliche Zählung verrät, wie sie ausgehen.
Am entschiedensten sagt Karlsruhe Nein: 98,9% der Verfassungsbeschwerden scheitern. Am nachgiebigsten ist ausgerechnet das Finanzamt. Nur 12,7% der Einsprüche enden mit einem förmlichen Bescheid, bei 68,0% ändert das Amt den Steuerbescheid selbst.
Wie oft es Nein heißt
Anteil der Entscheidungen, die für den Antragsteller negativ ausgehen, je Verfahren
Das häufigste Nein des Landes
In absoluten Zahlen hört man es bei der Fahrprüfung. 573.100 Theorieprüfungen für den Autoführerschein gingen 2025 schief, 48,2% aller Versuche. 2016 waren es noch 42,7%.
Durchfallquote beim Autoführerschein
Anteil nicht bestandener Prüfungen der Klasse B
Wer einmal Nein gehört hat
Wer durchfällt, fällt beim nächsten Versuch öfter durch: 59,8% der wiederholten Theorieprüfungen scheitern, beim ersten Versuch 42,2%. Eine Strafe fürs Wiederkommen ist das nicht. Wer wiederholt, gehört zu denen, die schon einmal gescheitert sind.
Erster Versuch und Wiederholung
Anteil nicht bestandener Prüfungen zur ersten Fahrerlaubnis der Klasse B, 2025
Wie viele Neins im Jahr
Zusammen kommen die sieben Verfahren auf 1,71 Mio. Neins, die meisten davon in der Fahrprüfung und beim Finanzamt. Ein Verfassungsgericht mit fast lauter Neins fällt in dieser Rechnung kaum auf: 4.861.
Neins in absoluten Zahlen
Negative Entscheidungen im Jahr, je Verfahren (Jobcenter: Januar bis September)
Das Finanzamt sagt meistens Ja
Von 4,08 Mio. erledigten Einsprüchen 2024 endeten 68,0% mit einer Abhilfe, 17,6% wurden zurückgenommen. Oft ist das kein Einlenken: Viele reichen die Belege erst im Einspruch nach.
Wie Einsprüche beim Finanzamt enden
Anteil an den erledigten Einsprüchen
Am häufigsten in der Fahrprüfung, am entschiedensten in Karlsruhe, am seltensten im Finanzamt.
Ein hoher Anteil sagt nichts darüber, ob ein Nein gerecht ist: Jedes Verfahren prüft andere Menschen nach anderen Regeln.
Wie wir gerechnet haben
Jede Zahl stammt aus der Veröffentlichung der zuständigen Stelle: KBA, Fahrerlaubnisprüfungen 2025 (Tabellen FE 7.1 und 7.6, Klasse B; erste Versuche und Wiederholungen: Prüfungen zur Ersterteilung), Bundesamt für Justiz, Ausbildungsstatistik 2024, DFG-Jahresbericht 2025, BAMF, Aktuelle Zahlen 12/2025, Jahresbericht 2025 des Bundesverfassungsgerichts, BMF-Monatsbericht September 2025, Drucksache 21/3177. Die Berechnung prüft jede Zahl gegen die Datei, aus der sie stammt: data-pipeline/make_story_nein.py.
Was die Daten nicht zeigen
- Sieben Maßstäbe. Ein durchgefallener Prüfling, ein abgelehnter Asylantrag und eine nicht angenommene Verfassungsbeschwerde sind nicht dasselbe Nein. Wer wo antritt, entscheidet mit: Vor dem Bundesverfassungsgericht landen Fälle, die durch alle Instanzen gegangen sind.
- Was als Nein zählt. Asyl: Ablehnungen als unbegründet oder offensichtlich unbegründet (46,8%); formelle Entscheidungen, etwa Dublin-Verfahren oder Rücknahmen (25,1%), sind weder Ja noch Nein, Schutz erhielten 28,1%. DFG: nicht geförderte Neuanträge, nach Zahl. Finanzamt: förmliche Einspruchsentscheidungen, die auch teilweise stattgeben können. Jobcenter: nur Widersprüche gegen Aufhebungs- und Erstattungsbescheide, Januar bis September 2025.
- Prüfungen, nicht Menschen. Die Fahrerlaubnis-Statistik zählt Prüfungen. Wer dreimal durchfällt, zählt dreimal. Beim Staatsexamen scheitern 27,4% im staatlichen Teil, endgültig nur 3,1%.
- Verschiedene Jahre. 2025, Staatsexamen und Steuer 2024. Die DFG zählt nicht, wie viele Anträge sie abgelehnt hat, nur den Anteil; in der Summe fehlt sie deshalb.