Einblicke · Wohnen
Deutschland hat genug Wohnungen. Nur an den falschen Orten?
Leere Wohnungen und hohe Mieten schließen sich fast aus: Wo viel leer steht, ist Wohnen billig, und wo es teuer ist, steht kaum etwas leer. Was die beiden trennt, ist vor allem die Bevölkerungsentwicklung.
Zwei Karten, ein Muster
Beim Zensus 2022 standen in Deutschland 4,3% der Wohnungen leer. Verteilt ist der Leerstand sehr ungleich: Im Median der Wahlkreise im Osten sind es 6,5%, im Westen 3,8%. In 23 Wahlkreisen stehen mindestens 8% der Wohnungen leer, 21 davon liegen im Osten, am meisten in Zwickau, Vogtlandkreis, Gera – Greiz – Altenburger Land. Dort leben zusammen rund 5,6 Millionen Menschen.
Die Mieten zeigen dasselbe Bild in umgekehrten Farben: Am teuersten ist München mit bis zu 13,40 € je Quadratmeter, am günstigsten sind die Wahlkreise mit dem meisten Leerstand.
Wo Wohnungen leer stehen, und wo Wohnen teuer ist
Je Wahlkreis, jede Karte mit ihrer eigenen Skala (sechs gleich große Gruppen). Ein Klick öffnet den Wahlkreis auf der Karte.
Kaum ein Ort hat beides
Leerstand und Miete gehen über die 299 Wahlkreise fast spiegelbildlich (Rangkorrelation −0,67). In den 30 Wahlkreisen mit Mieten ab 9 € stehen nirgends mehr als 3,9% der Wohnungen leer. Wahlkreise mit mindestens 5% Leerstand und zugleich Mieten über dem deutschen Schnitt von 7,28 €: 1 (Trier).
Die Antwort auf die Frage im Titel ist also: Ja, die leeren Wohnungen stehen fast alle dort, wo wenig Nachfrage ist. Wo Wohnraum knapp und teuer ist, gibt es kaum Reserven.
Leerstand und Miete schließen sich fast aus
Jeder Punkt ein Wahlkreis; die Linien teilen bei den Medianen · Rangkorrelation −0,67
Leer steht, wo Menschen wegziehen
Was die beiden Gruppen trennt, ist vor allem die Bevölkerungsentwicklung der letzten zehn Jahre (Rangkorrelation mit dem Leerstand: −0,53). In den Wahlkreisen mit unter 3% Leerstand hat sich die Einwohnerzahl seit 2013 im Median um +5,8% verändert, in denen mit 8% und mehr um −5,5%.
Leer steht, wo die Bevölkerung schrumpft
Jeder Punkt ein Wahlkreis · Rangkorrelation −0,53
Gebaut wird, wo es knapp ist
Wird dort gebaut, wo ohnehin Wohnungen leer stehen? Die Daten zeigen das Gegenteil: In den 63 Wahlkreisen mit unter 3% Leerstand wurden 2023 im Median 3,7 Wohnungen je 1.000 Einwohner fertig, in denen mit 8% und mehr 1,5.
Gebaut wird, wo wenig leer steht
Fertiggestellte Wohnungen, Median der Wahlkreise, nach ihrem Leerstand in vier Gruppen (in Klammern ihre Zahl)
Was die Daten nicht zeigen
- Bestandsmieten, nicht Angebotsmieten. Die Miete ist die durchschnittliche Nettokaltmiete bestehender Mietverträge beim Zensus 2022. Wie stark Mieten steigen und was eine Wohnung bei Neuvermietung kostet, zeigt sie nicht.
- Leerstand ist nicht gleich Leerstand. Der Zensus zählt alle Wohnungen, die am Stichtag leer standen, auch zwischen zwei Mietern oder während einer Sanierung. Ob eine leere Wohnung bewohnbar ist, steht nicht in den Daten.
- Ein Stichtag. Leerstand und Mieten stammen vom 15. Mai 2022, die neuen Wohnungen von 2023, die Bevölkerungsentwicklung von 2013 bis 2023.
- Gebiete, nicht Menschen. Ein Wahlkreis kann eine angespannte Stadt und leere Dörfer zugleich enthalten; sein Wert mittelt beides.
Wie wir gerechnet haben
Alle Werte je Wahlkreis, wie überall auf landläufig: Leerstand und Miete aus dem Zensus 2022 (Gitterdaten, auf die Wahlkreise übertragen), neue Wohnungen aus den Strukturdaten der Bundeswahlleiterin, die Bevölkerungsentwicklung aus INKAR. Rangkorrelation: Spearman über die 299 Wahlkreise. Quellen mit Lizenz und Link: Zensus 2022, Strukturdaten, INKAR.