Einblicke · Bevölkerung
Wo würde Deutschland ohne Zuwanderung schrumpfen?
Fast überall sterben mehr Menschen, als geboren werden. Wachsen können die meisten Wahlkreise nur, weil mehr Menschen zu- als wegziehen – auch in einem gewöhnlichen Jahr wie 2019.
Fast überall mehr Tote als Geburten
2023 sind in 290 der 299 Wahlkreise mehr Menschen gestorben als geboren worden. Mehr Geburten als Sterbefälle gab es nur in 9, vor allem in Großstädten wie Berlin-Mitte, München-Nord und München-Ost. Wachsen kann ein Wahlkreis dann nur, wenn mehr Menschen zu- als wegziehen.
Die Karte links zeigt ein gewöhnliches Jahr, 2019, die rechts 2022/23. 2022 war kein gewöhnliches Jahr: Viele Menschen flohen aus der Ukraine nach Deutschland. Der Wanderungsgewinn lag im Median der Wahlkreise bei 17,0 je 1.000 Einwohner, 2019 bei 3,7.
Weniger Geburten, mehr Zuzug
Je 1.000 Einwohner. Rosa: Sterbeüberschuss, Blau: Wanderungsgewinn, Dunkelviolett: beides stark. Links ein gewöhnliches Jahr, rechts 2022/23 (Geburten 2023, Wanderung 2022).
Auch in einem gewöhnlichen Jahr
Schon 2019 wären 141 Wahlkreise ohne Zuzug geschrumpft und sind nur dadurch gewachsen; dort leben rund 38,7 Millionen Menschen. 74 Wahlkreise schrumpften trotz Zuzug, weil der den Sterbeüberschuss nicht ausglich, 28 davon im Osten. Es sind aber nicht nur Gegenden im Osten: Im Westen gehören Hof, Goslar – Northeim – Göttingen II und Homburg dazu.
2022/23 wuchsen 288 Wahlkreise nur durch Zuzug, fast alle. Geschrumpft trotz Zuzug sind nur 2.
2019: Wer nur durch Zuzug wächst
Jeder Punkt ein Wahlkreis, je 1.000 Einwohner. Oberhalb der gestrichelten Diagonale wuchs er, darunter schrumpfte er.
Vier Gruppen
Gezählt nach Wahlkreisen: 2019 wuchsen 67 aus eigener Kraft und durch Zuzug, 141 nur durch Zuzug, 74 schrumpften trotz Zuzug und 17 verloren mehr Menschen durch Wegzug, als zuzogen.
Wahlkreise nach ihrer Bevölkerungsbewegung
Zahl der Wahlkreise in jeder Gruppe, 2019 und 2022/23
Wo viele Ältere leben
Wie groß der Sterbeüberschuss ist, hängt – wenig überraschend – vor allem am Alter der Bevölkerung: Je höher der Anteil der Menschen ab 75 Jahren, desto mehr Sterbefälle kommen auf eine Geburt (Rangkorrelation −0,84).
Mehr Ältere, mehr Sterbefälle als Geburten
Jeder Punkt ein Wahlkreis · Rangkorrelation −0,84
Was die Daten nicht zeigen
- Zuzug ist nicht Zuwanderung aus dem Ausland. Der Wanderungssaldo zählt jeden, der über die Grenze eines Wahlkreises zieht, aus dem Ausland wie aus der Nachbarstadt. Wie viel davon Zuwanderung aus dem Ausland ist, lässt sich mit diesen Daten nicht trennen. Der Ausländeranteil hilft dabei nicht: Er zählt, wer schon da ist, nicht, wer kommt.
- Einzelne Jahre. Die Zahlen sind keine Durchschnitte, sondern einzelne Jahre: 2019, Geburten 2023 und Wanderungen 2022. Ein Jahr wie 2022 kann das Bild stark verschieben.
- „Ohne Zuzug“ ist ein Gedankenspiel. Ohne Zuzug wären auch weniger junge Menschen da, die Kinder bekommen. Die Rechnung zeigt nur, ob Geburten und Sterbefälle allein die Einwohnerzahl gehalten hätten.
- Gebiete, nicht Menschen. Ein Wahlkreis kann wachsende Städte und schrumpfende Dörfer zugleich enthalten.
Wie wir gerechnet haben
Geburten minus Sterbefälle und Zuzüge minus Fortzüge, jeweils je 1.000 Einwohner: die Strukturdaten der Bundeswahlleiterin, für 2019 aus der Ausgabe zur Bundestagswahl 2021, auf die heutigen Wahlkreise umgerechnet. Ein Wahlkreis wächst, wenn beide zusammen über null liegen (oberhalb der Diagonale im zweiten Bild). Die Gruppen: mehr Geburten und Zuzug; mehr Sterbefälle, aber mehr Zuzug (wächst oder schrumpft, je nachdem, was überwiegt); mehr Fort- als Zuzüge. Quelle: Strukturdaten.